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HA vom 03.05.2016

Breidensteiner Endspielpremiere !!

Rekordsieger FV Breidenbach ist auch in seinem 32. Kreispokalfinale klarer Favorit

Das Finale um den Kreispokal des Fußballkreises Biedenkopf bleibt sich selbst treu. Wieder einmal trifft am heutigen Mittwoch (18.30 Uhr) Gastgeber FV Breidenbach im Gunterstal-Stadion mit dem TuSpo Breidenstein auf einen klassischen Underdog.

Kampflos aber wollen sich die von Moritz Henkel (rechts) angeführten Kicker des erstmals im Pokalendspiel stehenden TuSpo Breidenstein nicht geschlagen geben. (Fotos: Hahn/Bernshausen)

 

"Der Wolf verliert sein Fell, aber niemals seine Gewohnheiten", lautet eine ungarische Weisheit. Fell hat der FV Breidenbach im Abstiegskampf der laufenden Runde tatsächlich reichlich gelassen. Die eigene Teilnahme am sage und schreibe 32. Endspiel des seit 1956 bestehenden Wettbewerbs macht den FV Breidenbach aber zum Gewohnheitstier, dem "Kreispokal-Wolf". 29 Mal gingen die "09-er" als Sieger vom Feld. Niemand zweifelt daran, dass dies auch am Mittwochabend gegen die Breidensteiner, die zum ersten Mal im Endspiel stehen, der Fall sein wird.

Wer setzt am Mittwoch öfter zum Jubellauf an? Aller Voraussicht nach dürfte es der Verbandsligist FV Breidenbach sein, mit seinem Goalgetter Felix Baum als Speerspitze.

 

"Ich finde es schade, dass nicht bei uns als Außenseiter gespielt wird", klagt Breidensteins Trainer Jens Heim über das Ergebnis der eigens durchgeführten Auslosung. Hätte der haushohe Favorit gar das Heimrecht verkaufen sollen? Breidenstein hatte diesbezüglich ein Angebot gemacht. "Als klassenhöherer Verein müssen wir alle gewöhnlichen Kreispokalpartien auswärts bestreiten. Das war zuletzt neun Mal der Fall. Jetzt wollen wir unseren Fans wenigstens im Finale auch mal ein Heimspiel bescheren", erklärt Breidenbachs Sportlicher Leiter Frank Schmidt.

TuSpo-Coach Heim: "Wir werden keinesfalls eine Betonmauer vor unserem Kasten hochziehen"

Wenn Schiedsrichter Mirko Hecklinger (SG Mornshausen/S.) das Finale anpfeift, dann sind die Rollen klar verteilt: Der gastgebende, drei Klassen höher spielende Verbandsligist, will im Vorfeld des schweren Heimspiels am Sonntag gegen Hessenligaanwärter Viktoria Kelsterbach mit einem überzeugenden Sieg Selbstbewusstsein tanken. Und der A-Liga-Vertreter TuSpo Breidenstein fühlt sich als krasser Außenseiter pudelwohl. "Allein der Einzug in ein solches Pokalfinale ist doch für uns schon wie ein Sieg. Und ein Punktspieljahr ohne Abstiegsangst oder Aufstiegsträume, wie es im Moment der Fall ist, hatten wir ja auch schon lange nicht mehr. Wir sind ganz entspannt und voller Vorfreude", berichtet Jens Heim. Die Entwicklung beim Tabellenfünften aus der "Stadt" ist mehr als erfreulich. Entgegen früherer Jahre wird im "Hammerstadion" mittlerweile ein technisch gepflegter Kombinationsfußball gespielt. Fast alle Akteure der jungen Mannschaft stammen aus Breidenstein. Etliche Kräfte stoßen aus dem eigenen Nachwuchs dazu und alle haben bereits für die neue Saison zugesagt. Dreh- und Angelpunkt ist das Trio Daniel Gruber, Felix Henkel und Moritz Henkel, das zusammen drei Viertel der 60 Punktspieltore markiert hat. Felix Henkel wird allerdings im Finale wegen eines Muskelfaserrisses fehlen. "Meine Jungs haben sich im Pokal wie verrückt von Runde zu Runde gekämpft und sind bis an ihre Grenzen und weiter gegangen. Das werden sie in Breidenbach erneut tun, aber eigentlich wäre es doch ein Witz, wenn sich Breidenbach gegen eine drei Klassen tiefer spielende Elf die Blöße gibt", lächelt Heim. Von speziellen Ritualen am Finaltag, wie einem gemeinsamen Essen oder Kaffeetrinken seiner Mannschaft, hält er nichts. "Das macht ein so junges Team nur nervös. Die sollen ihren ganz normalen Ablauf haben und deshalb werden wir auch keinesfalls eine Betonmauer vor unserem Kasten hochziehen. Wir versuchen mitzuspielen", verspricht der 41-jährige Heim, seit sieben Jahren Chefcoach bei den Grün-Weißen.

Martin Lokoc, Interimstrainer des FV Breidenbach, unterlag am vergangenen Samstag mit seiner Mannschaft 2:4 beim FC Dorndorf. Alle mitgereisten Fans der "Blauen" waren entsetzt über die Schiedsrichterleistung. "Dazu sage ich jetzt besser nichts mehr", erklärt Lokoc. Er selbst stellt die Mannschaft auf das Pokalfinale ein, fehlt aber aus privaten Gründen am Mittwoch. Die Spieler Dennis Brandl und Felix Baum vertreten ihn auf dem Feld. An der Seitenlinie coachen der reaktivierte Steffen Schmitt oder Frank Schmidt. Auf ihrem Tabellenkonto zehren die abstiegsbedrohten und extrem heimschwachen Breidenbacher von fünf Punkten Vorsprung zur gefährdeten Region. Diese haben sie in guten Auswärtszeiten vorsorglich angespart.

Der gastgebende Verbandsligist bietet auch gegen den A-Liga-Vertreter die bestmögliche Elf auf

Nach ansprechenden Leistungen in Schwanheim und Dorndorf scheinen sie auf dem Weg der Besserung. Der akribisch arbeitende Lokoc hat den Gegner persönlich beobachtet. Er schätzt die Gäste, weiß aber, "dass wir das Ding bei allem Respekt gewinnen sollten". Er wird seine bestmögliche Elf aufbieten, aber trotzdem einige angeschlagene Akteure schonen. Im Kasten wird die Rückkehr von Tobias Dünhaupt erwartet. In den letzten vier Finals unterlagen die A-Ligisten übrigens mit 0:8, 0:5, 0:5 und 0:6. Gegen wen? Gegen den FV Breidenbach, den "Kreispokal-Wolf"!

Das Spiel !

HA vom 05.05.2016

Der Außenseiter sorgt für Würze!

Kreispokalfinale: FV Breidenbach besiegt couragierte Breidensteiner mit 4:1 (1:0)

BREIDENBACH Der Fußball-Kreispokal beinhaltet im Hinterland Gewohnheitsrecht! Das Recht des Seriensiegers FV Breidenbach. Die "09-er" haben sich am Mittwoch mit dem 4:1 (1:0)-Heimsieg über Außenseiter TuSpo Breidenstein den 30. Pokalerfolg ihrer Vereinsgeschichte gesichert.

Breidensteiner Speerspitze: Daniel Gruber

Dass der haushoch favorisierte Verbandsligist mehr Ballbesitz aufweisen würde, als der A-Liga-Vertreter aus der Nachbarschaft, war klar. Auch das deutliche Chancenplus der Breidenbacher überraschte niemanden. Trotzdem war es für die 350 Zuschauer ein wesentlich unterhaltsameres Finale als in den letzten Jahren, als das Drehbuch auch stets den Klassiker "David gegen Goliath" zum Hauptbestandteil hatte. Die Würze lieferte diesmal der krasse Außenseiter aus der "Stadt". Den Grün-Weißen merkte man in jeder Minute an, dass die Teilnahme am ersten Pokalfinale der Klubgeschichte für sie etwas ganz Besonderes war. "Ich bin trotz der Niederlage zufrieden. Wir haben uns tapfer gewehrt", lächelte TuSpo-Interimstrainer Felix Henkel, der verletzungsbedingt als Spieler passen musste, aber an der Seitenlinie für den erkrankten Chefcoach Jens Heim in die Bresche sprang. Eine knappe halbe Stunde lang hielten die Gäste das "zu Null". In ihre Vierer-Abwehrkette rückten bei Bedarf zusätzlich einer oder mitunter gar zwei eigentlich offensiv ausgerichtete Flügelspieler, so dass das Defensivkonstrukt zur Fünfer- oder gar Sechserkette mutierte. Felix Henkel hatte sich taktisch Mühe gegeben. Er sah einen FV Breidenbach, der viel Ballbesitz hatte und durch Papa-Yaw Afriyie (13.) sowie Felix Baum (20., 26.) erste Möglichkeiten besaß, der aber auch in der Spitze zu statisch agierte. Eben weil die Breidensteiner in der Abwehrzentrale klug verschoben und die Räume extrem eng machten, aber auch jede Gelegenheit zum Ausschwärmen nach vorne suchten, bedurfte es Breidenbacher Geniestreiche, um das Bollwerk zu knacken.

Drei satte Fernschüsse knacken das Bollwerk des A-Ligisten und bescheren den 09-ern den Titel Nummer 30

Der erste gelang Philip Michel, der das Spielgerät in Minute 28 aus fast 30 Metern zum 1:0 ins linke Kreuzeck schweißte. Ein echtes Traumtor! "Es hat meiner Mannschaft nicht an der Einstellung gefehlt, aber schön ist etwas anderes", gestand FV-Interimstrainer Steffen Schmitt, der den aus privaten Gründen verhinderten Übungsleiter Martin Lokoc vertrat. "Vielleicht waren einige auch schon ein bisschen mit den Gedanken beim Heimspiel am Sonntag gegen Spitzenreiter Viktoria Kelsterbach", mutmaßte Schmitt. Erstaunlich war, dass den Breidensteinern nach der Pause keinesfalls die Luft ausging. Sie warfen sich bis zum Abpfiff mit Inbrunst in die Zweikämpfe, traten ungemein laufbereit auf und präsentierten sich mit ihrer jungen Truppe voller Teamgeist. Breidenbach steigerte sich aber allmählich und fand auch spielerisch den Zugang zur Partie. Das 2:0 ging auf das Konto von Michael Heinz, dessen Geschoss aus 25 Metern noch leicht abgefälscht zum 2:0 in den rechten Winkel rauschte (52.). Und auch das 3:0 war wieder ein Distanzschuss, den dieses Mal Dennis Brandl abgefeuert hatte (59.). Drei Weitschüsse entschieden die Partie, die der Favorit bis zum Ende clever verwaltete. Daniel Gruber schloss zehn Minuten vor dem Halali einen Konter zum 1:3 für Breidenstein ab, den die vielen mitgereisten Gästefans lautstark bejubelten. Julian Kapitzas Kopfball bedeutete schließlich den 4:1-Endstand für Breidenbach (82.). Im Gästelager mochte sich niemand ob der nicht unerwarteten Finalniederlage grämen. Nach dem Aufstieg in die Bezirksliga Nord anno 1981 galt es für die Enkel der TuSpo-Heroen Günther Seibel, Norbert Seibel, Hans-Jürgen Henkel und Co. schließlich mit dem Finaleinzug den zweitgrößten Erfolg der Vereinshistorie zu feiern. "Unsere junge Truppe hat Potenzial. Vielleicht schielen wir nächste Saison einmal in Richtung des Aufstiegsrelegationsplatzes", verriet Breidensteins Geschäftsführer Klaus-Dieter Seibel. Grund, unzufrieden zu sein, hatte aber auch der FV Breidenbach nicht. Der Verbandsligist bestritt alle Pokalspiele gegen die zum Teil hoffnungslos unterlegene Konkurrenz mit der bestmöglichen "Kapelle". Aus Respekt vor dem Kreispokal "Das ist nämlich unser Wettbewerb", verriet Frank Schmidt, der Sportliche Leiter der Gastgeber deren berechtigtes und historisch untermauertes Selbstverständnis. Der Jubel der "Blauen", deren Kapitän Dennis Brandl schließlich den "Pott" in die Höhe reckte, war echt. Der verdiente Ruhm ging an den FV Breidenbach, aber bereichert hatte der Außenseiter aus dem "Hammerstadion" das Geschehen allemal.

Breidenbach: Dünhaupt - Brandl, Damm, Kapitza, Novakov - Heinz, Michel - Afriyie, Wagner, Jan Reiprich - Baum (Bögel, Pfeiffer, Katic)

Breidenstein: Schiller - Bodenbender, Reichpietsch, Roth, Dennis Gruber - Moritz Henkel, Ramerth - Sturma, Timon Schmidt, David Klöckner - Daniel Gruber (Eckhardt, Zamble)

Schiedsrichter: Mirko Hecklinger (SG Mornshausen/S.). - Zuschauer: 350. - Tore: 1:0 Philip Michel (28.), 2:0 Michael Heinz (52.), 3:0 Dennis Brandl (59.), 3:1 Daniel Gruber (80.), 4:1 Kapitza (82.). - Gelbe Karten: Ramerth, Schmidt.