Damen-Kreispokalendspiel

am 12.06.2015

FFC Erdhausen erlebt auch im Pokalfinale späten Tiefschlag / FSV-Siegtor durch Tuba Kalayci

Das klassenhöchste Hinterländer Frauenfußballteam hat sich auch den Kreispokal geholt. Verbandsligist FSV Friedensdorf bezwang am Freitag im Endspiel in Breidenstein den FFC Erdhausen dank eines Tores in der Nachspielzeit mit 2:1.

Nach dem Abpfiff prasselt Regen auf den Rasen im Hammerstadion. Die Zuschauer haben sich längst unter dem kleinen Zelt am Vereinsheim untergestellt, da tanzen die Spielerinnen aus Friedensdorf noch auf dem Feld und feiern ausgelassen den Sieg im Pokalfinale - standesgemäß mit Ehrenrunde und knallenden Sektkorken. Am Ende einer zerfahrenen Saison, in der der Verbandsligist erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt dank fremder Hilfe schaffte, ist Trainer Torsten Rink sichtlich erleichtert: "Wir wollten den Pokal unbedingt gewinnen. Und das haben wir geschafft!"

Kreisfußballwart Heinz Schmidt (rechts), und Gerhard Fuchs (links), Kreisreferent für Frauenfußball, haben im Rahmen des Kreispokalfinales die treffsichersten Hinterländer Fußballerinnen mit dem Sparkassen-Offensiv-Cup ausgezeichnet. Evelyn Bamberger nahm als Spielführerin des FFC Erdhausen den Pokal für die torhungrigste Frauenmannschaft (77 Tore in 20 Spielen, ein Schnitt von 3,85 Treffer pro Spiel). Als beste Torjägerinnen ihrer Liga wurden (ab 3. von links) Pauline Müller (SV Hartenrod, B-Liga, 14 Tore), Jenny Henn (SSV Endbach/Günterod, Kreisoberliga, 15 Tore), Susanna Graf (SG Gansbachtal, Gruppenliga, 19 Tore) und Mirjam Nolte (FSV Friedensdorf, Verbandsliga Nord, 10 Tore) geehrt. (Foto: Bernshausen)

Einige Meter daneben stehen die Frauen vom FFC Erdhausen mit ihren Trainern Arm in Arm in großer Runde zusammen. Sie haben das Finale verloren. Tatsächlich ist es der zweite Rückschlag innerhalb einer Woche zum Abschluss einer ansonsten tadellosen Saison. Im letzten Punktspiel hatte den FFC ein Gansbachtaler Tor in der Nachspielzeit die Gruppenliga-Meisterschaft gekostet. Doch im Kreis ist kein Platz für Trübsal: "Ich habe mich bei der Mannschaft bedankt; wir stehen am Ende einer großartigen Runde", betont FFC-Trainer Carsten Brück. Die Bilanz: Vizemeister der Gruppenliga sowie Finalist im Biedenkopfer Kreispokal - insgesamt verloren die Kickers nur zwei Spiele.

Mirjam Nolte schießt den Verbandsligisten im letzten Spiel ihrer Fußball-Laufbahn in Führung

Erdhausens Jessica Jonetzek (r.) nimmt Maß, Bea Sauerwald startet zum Rettungssprung.

In Breidenstein standen sich zwar zwei ausgeglichen starke Teams gegenüber. Doch fiel der Friedensdorfer Führungstreffer bereits in der Anfangsphase. Aus dem Mittelfeld spielte FSV-Spielführerin Rebecca Ruppert in der zwölften Minute einen Pass in die Spitze, wo die schnelle Angreiferin Mirjam Nolte in ihrem letzten Spiel den Verteidigerinnen enteilte und den Ball ungestört und zielsicher - für Torhüterin Frauke Schäfer unhaltbar - ins Tor schoss. In der Folgezeit machte Friedensdorf weiter Druck, scheiterte allerdings entweder an den wachsamen Verteidigerinnen Loreen und Louisa Wendelmuth oder an der herausragenden Torfrau Schäfer. Auf der anderen Seite setzte insbesondere Hannah Georg Akzente, die mit einigen Schüssen aus der zweiten Reihe FSV-Torhüterin Yvon-ne Heimann forderte. Ebenso FFC-Spielführerin Evelyn Bamberger, die etwa in der 32. Spielminute einen Ball im hohen Bogen nur wenige Zentimeter am freien rechten Torwinkel vorbei schoss.

Halbzeit. Kühler Wind vertreibt die Schwüle, die während der ersten Hälfte über dem Platz gestanden hatte. Blitze zucken in den tiefgrauen Wolken, dazu Nieselregen. Während zu Beginn Friedensdorf das Spiel dominiert hatte, bestimmte nun zusehends Erdhausen das Geschehen. Und schon während der ersten gefährlichen Szene vor dem Friedensdorfer Tor fiel der Ausgleich: In der 54. Minute herrschte Gewusel im Strafraum und ein ungeschickter Klärungsversuch von Carmen Preisig landete im eigenen Kasten. Kurz darauf konnte Janina Klingelhöfer einen Sturmlauf von Erdhausens Johanna Schlagl erst im Strafraum stoppen; danach vereitelte FSV-Torhüterin Yvonne Heimann eine Chance von Schlagl, die nach einem Doppelpass mit Jessica Jonetzek erneut bis in den Strafraum vorgedrungen war. Dazwischen sorgte weiterhin Hannah Georg mit Schüssen aus der Distanz für Unruhe. Auf der Gegenseite hatte Tuba Kalayci die erste Großchance; doch Frauke Schäfer lenkt den Ball mit der Fußspitze über die Latte. Später verfehlte ein genialer Pass von Tamara Nolte seine Wirkung, als der Ball an der Verse der los gespurteten Mirjam Nolte abprallte.

Torsten Rink: "Das war harte Arbeit! Wie erwartet war Erdhausen ein Gegner auf Augenhöhe!"

Mit jeder Minute wuchs auf beiden Seiten die Anspannung, die Kräfte schwanden, Siegeswille und Ehrgeiz stiegen! Beispiel: Kurz vor Ende der regulären Spielzeit verletzte sich Jessica Jonetzek in einem Zweikampf mit Anja Wolowiec. Sie wurde behandelt und mit schmerzverzerrtem Blick von Mitspielerinnen gestützt vom Feld begleitet. Nach wenigen Augenblicken meldete sich die Akteurin bei ihrem Trainer: "Ich will noch mal drauf!"

Die Nachspielzeit läuft. Noch einmal kommt Friedensdorf vor das Erdhäuser Tor, noch einmal klärt Frauke Schäfer in höchster Not mit dem Fuß. Doch diesmal bleibt der Ball im Spiel und aus dem Getümmel heraus trifft plötzlich Tuba Kalayci zur Führung. Anstoß. Ein letzter Versuch von Erdhausen. Dann pfeift Schiedsrichter Sebastian Stauß (VfL Biedenkopf) die Partie ab. "Wir haben sicher mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer Doublette der letzten Woche", sagt Carsten Brück. Noch fehle seiner jungen Mannschaft der notwendige "Killerinstinkt", der in solchen Spielen den Ausschlag gebe, weiß der FFC-Trainer. Sein Friedensdorfer Kollege Torsten Rink zollt den Kickers Respekt: "Das war harte Arbeit! Wie erwartet war Erdhausen ein Gegner auf Augenhöhe!"

Friedensdorf: Heimann - Tamara Nolte, Klingelhöfer, Anja Wolowiec, Rink, Bea Sauerwald, Preisig (61. Anne Fett), Kalayci, Kathrin Fett, Ruppert, Mirjam Nolte.

Erdhausen: Schäfer - Krause, Louisa Wendelmuth, Georg (76. Schmidt), Loreen Wendelmuth, Bamberger, Jonetzek, Becker, Fett (57. Kulozik), Schlagl, Ortmüller.

Schiedsrichter: Sebastian Stauß (VfL Biedenkopf). - Zuschauer: 150. - Tore: 1:0 Mirjam Nolte (12), 1:1 Carmen Preisig (54., Eigentor), 2:1 Tuba Kalayci (90.+2).